Rezension | Sveta und der Junge aus dem Wald von Ramona Mädel & Axel Saalbach

16. November 2015 | |
Selfpublishing | Aus der Welt von Das Haus Komarow
288 Seiten | Taschenbuch | 9,95€

Klappentext
Die sechzehnjährige Sveta lebt mit ihren Eltern in Berlin. Nachdem ihr boshafter Vater bei seinen Dienstherren in Ungnade fällt, wird er zum Vorsteher eines kleinen Örtchens in der abgelegenen Provinz degradiert und muss die Stadt verlassen. Noch am gleichen Abend kommt es zum Zerwürfnis zwischen Svetas Eltern, woraufhin ihr Vater sofort aufbricht und Sveta gegen ihren Willen mitnimmt. Ohne zu wissen, wohin ihre Tochter verschleppt wird, bleibt die Mutter zurück. In ihrer neuen Heimat »Dunkeltann« wird Svetas Leben von Tag zu Tag trister, bis es eines Morgens zu einer Begegnung kommt, die ihr Leben verändern wird ...


Sveta und der Junge aus dem Wald ist ein Buch, von dem der Autor selbst sagt, dass es nicht unbedingt in die Jugendbuch-Fantasy passt. Durch die junge Protagonistin und den bestehenden Konflikt des Romans würde ich dem allerdings widersprechen, da es für mich sehr nach einem Jugendbuch kam. Nur der Fantasy-Anteil war sehr gering und hat sich nur dadurch gezeigt, dass es sich um eine Dystopie handelt.
Allerdings spielt der Roman in einem kleinen Ort und die Handlung weicht nicht wirklich darüber hinaus, sodass man von den dystopischen Zuständen der Welt nicht wirklich etwas mitbekommt. Sveta und der Junge aus dem Wald spielt in der Welt von Das Haus Komarow, aber laut Autor muss man das Vorgängerbuch nicht gelesen haben, um dieses hier zu verstehen. Und ich denke, das ist tatsächlich so, denn die Geschichte um Sveta ist in sich geschlossen und es gab nichts, bei dem ich mir ein gewisses Vorwissen gewünscht hätte. Falls man sich allerdings für die Umstände der Welt interessiert, sollte man Das Haus Komarow vielleicht doch in Erwägung ziehen.

Das Cover ist leider nicht unbedingt mein Fall und hätte mich wohl nicht angesprochen oder zum Kauf angeregt, doch der Klappentext klang vielversprechend und ließ jede Menge Spannung vermuten.


Handlung & Umsetzung
In dem Buch geht es um das sechzehnjährige Mädchen Sveta, das von ihrem Vater in ein Dorf verschleppt wird, wo er der neue Ortsvorsteher ist. Die Handlung hat anfangs etwas von Aschenputtel, da Sveta für ihren Vater und Bruder putzen muss und in deren Augen nicht wirklich viel wert ist. Sie wird von ihnen herumgescheucht und oft wirkt sie dadurch etwas unbeteiligt. Wie ein kleines Kind, das alles tut, was man ihm sagt, ohne Widerworte zu leisten. Da haben mir ein bisschen ihre Gefühle und Gedanken gefehlt. Manchmal erschien sie dadurch wie eine leere Hülle.
Der Antagonist des Romans und sein böser Plan werden schon bald aufgelegt und auch hier wirkt es wieder sehr wie ein Jugendbuch. Ganz untypisch für eine Dystopie geht es nicht um den Weltuntergang oder eine unterdrückte Gesellschaft, sondern um die Abholzung des Waldes und damit die Enthüllung eines Verstecks der Illegalen. Dadurch wirkt der große Konflikt für mich allerdings etwas harmlos und zum Teil sogar ein bisschen kindlich.
Dennoch gab es immer wieder Spannungspunkte, die mich sehr für die Handlung einnehmen konnten. Zum Beispiel der spannende Prolog, das Verhältnis von Sveta zu ihrem Vater und Bruder, sowie die Brutalität der Söldner im späteren Verlauf. Doch durch die Jugendlichkeit von Sveta und dem ganzen Buch sind diese Spannungsmomente leider oftmals etwas verpufft.


Charaktere
Die Charaktere sind vielfältig, waren für mich aber nicht immer sehr tiefgründig. Mit Sveta bin ich die ganze Zeit nicht besonders warm geworden. Wie oben schon geschrieben wirkt sie oft unbeteiligt.
Die Nebencharaktere sind gut beschrieben. Man kann einen Eindruck von ihnen gewinnen, aber man hat nicht das Gefühl, sie zu kennen.
Bei Sima, dem männlichen Protagonisten, kommt man diesem Gefühl schon recht nahe – sein Charakter ist bei weitem am besten ausgebaut –, aber ich konnte dennoch keine richtige Bindung zu ihm aufbauen.


Schreibstil
Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig und leider nicht unbedingt mein Fall. Der Erzählstil wirkte für mich oft so fern, dass ich mir sehr schwer getan habe, mich in die Handlung einzufinden. Trotzdem ist das Buch recht gut geschrieben. Nur die Beschreibungen der Umgebung fehlen mir ein wenig und die Gespräche sind oft etwas gestelzt. Sveta spricht nicht unbedingt wie eine Sechzehnjährige.



Abschließend ist Sveta und der Junge aus dem Wald ein unterhaltendes Buch, das sich gut für die Lektüre zwischendurch eignet. Allerdings sollte man keine typische Dystopie erwarten und sich auf einen etwas harmloseren Konflikt und nicht 100% ausgereiften Charakteren einstellen.




Vielen Dank an den Autoren für das Rezensionsexepmlar!

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die Rezension! :)

    Meine Aussage, dass der Roman nicht ganz in die Rubrik "Jugendbuch --> Fantasy" passt, bezog sich tatsächlich auf den Fantasy-Part. Als Jugendbuch bzw. als Buch, das für Jugendliche wie Erwachsene gleichermaßen funktionieren soll, war es durchaus angedacht. Deswegen ist der eigentliche Konflikt auch bewusst in etwas kleinerem Rahmen gehalten und zielt nicht auf einen abstrusen kompletten Systemumsturz durch eine Handvoll Protagonisten ab - da gibt es schließlich genug andere Romane. ;)

    Tatsächlich haben wir das Buch im Adminpanel von "Kindle Direct Publishing" in der Kategorie "Jugendliteratur --> Dystopisch" eingeordnet. Amazon hat dann "Fantasy" daraus gemacht. Unsere Vermutung besteht darin, dass es "Dystopie" als Unterkategorie von Jugendbüchern beim amerikanischen Amazon gibt, nicht aber beim deutschen Amazon. Kindle Direct Publishing ist vermutlich auf die amerikanische Version zugeschnitten, denn dort gibt es definitiv die Unterrubrik "Science Fiction & Dystopian" innerhalb des Kindle-Bereichs "Teen & Young Adult".

    Daher also meine Bemerkung, dass "Jugendbuch --> Fantasy" nicht so ganz passt, denn schließlich gibt es keine Monster, Fantasyrassen und keine Zauberei ... abgesehen von Ramona Mädels geradezu magisch guter Schreibbegabung, versteht sich. ;)

    Was die gestelzte Art des Redens angeht, so ist die auf meinem Mist gewachsen, und sie wurde schon nachträglich von den Testlesern und beim Lektorat ein wenig abgeschwächt - ich neige selbst zum gestelzten Reden. ;) Allerdings kann man die Ausdrucksweise auch auf den Faktor Zeit schieben: Wer weiß, wie man in ferner Zukunft reden wird. Ein Sechzehnjähriger aus dem Jahre 1915 hätte vermutlich große Probleme, einem Sechzehnjährigen aus dem Jahre 2015 vollinhaltlich zu folgen, und so kann es ja in Zukunft auch in jede Richtung gehen. Daher könnte theoretisch jede Art passen, in der in einem dystopischen Roman gesprochen wird. Wobei man tendenziell sicher eher davon ausgehen kann, dass die Ausdrucksweise im Laufe der Zeit weiter den Bach runter gehen wird. ;)

    Den Kommentar zu Sima finde ich besonders interessant, denn in den meisten Rezensionen wechselte die Entscheidung, welcher Charakter am ausgefeiltesten erscheint, meist zwischen Sveta und Jan. Das ist irgendwie wie beim Coverbild, Eindrücke gehen unheimlich auseinander.

    Vielen Dank jedenfalls für die Rezension - begründete Kritik ist super. Bei meinem ersten Buch durfte ich mir noch Kommentare wie "Kein Wunder, dass das Buch soundso ist, schließlich ist der Autor Schokoladenhändler" (oder so ähnlich) anhören. :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das stimmt natürlich auch wieder! Die Dystopien ähneln sich vom großen Konflikt her schon sehr, da bietet dieses Buch definitiv mal eine Abwechslung.
      Mit den Kategorien bei Kindle bzw. Amazon kenne ich mich nicht so wirklich aus. Aber es ist sehr schade, dass das Buch da in eine Kategorie gepackt wird, in das es vielleicht nicht unbedingt hinein passt. Da sollte Amazon auf jeden Fall dran arbeiten!

      Natürlich kann man nie wissen, wie die Menschen und insbesondere Jugendliche in der Zukunft sprechen und ich finde die gestelzte Ausdrucksweise an sich auch besser als das, was man heutzutage manchmal auf den Straßen aufschnappt. Aber im Fall von Sveta fand ich persönlich es einfach nicht passend. Auch bei Sima war es mir ab und zu zu hochgestochen, aber zu ihm hat es noch besser gepasst als zu Sveta, finde ich.

      Oh, das finde ich jetzt auch interessant. Sima war mir als Charakter beim Lesen schon näher als Sveta, aber ja, bei Jan kann ich die Meinungen durchaus nachvollziehen. Im Nachhinein habe ich jetzt sogar auch das Gefühl, dass man ihn am besten von allen kennenlernt.

      Hahaha :D Ja, solche Rezensionen sind immer so...hm. Ich versuche, meine Rezensionen immer so zu schreiben, dass man auch als Autor etwas damit anfangen kann. Wenn das geklappt hat, freut es mich :)

      Löschen