Rezension | Der kleinste Kuss der Welt von Mathias Malzieu

4. Januar 2016 | |
144 Seiten | Taschenbuch | 12,99€

Klappentext
Leseprobe: Ich hatte den kleinsten Kuss der Welt im Théâtre du Renard verloren. Er war mir mitten in der Nacht beim Tanzen von den Lippen geglitten, als mein Blick auf ein blaues Petticoatkleid mit großen weißen Tupfen fiel. Anmut, Sinnlichkeit und Verlockung. Ein Hauch von Geheimnis. Immer, wenn ich mich ihr nähern wollte, entwischte sie mir. Nach einem getänzelten Slalom stand ich endlich der Frau gegenüber, die mich magnetisierte. Ich brachte kein Wort heraus. Aus Angst, die Flut könnte sie abermals davonspülen, küsste ich sie. Der Anflug eines Kurzschlusses. Wir berührten einander kaum. Der kleinste Kuss der Welt. Ein grelles Licht, und dann nichts. Sie war fort. Als wäre ihr Mund ein magischer Schalter – wenn man ihn umlegt, löst sie sich in Luft auf. Ich hörte sie davongehen, hörte ihre Schritte verklingen. Sie war also gar nicht verschwunden, sie war bloß unsichtbar geworden! Wir hatten einander den kleinsten Kuss der Welt gegeben, und sie hatte sich verflüchtigt, abrupt wie ein Stromausfall. Ich musste sie unbedingt wiederfinden.


Handlung & Umsetzung
Der kleinste Kuss der Welt ist wirklich ein ganz ungewöhnliches Buch. Es sprüht vor Poetik und Verrücktheit, was einem anfangs vielleicht seltsam vorkommt, später aber umso unterhaltender. Es geht um einen Erfinder, der die verrücktesten Sachen herstellt. So zum Beispiel einen Mantel aus Schokolade oder einen Haarspangenstrauch. Im gesamten Buch wird man mit diesen außergewöhnlichen Dingen konfrontiert, aber auch mit dem Mysterium der Liebe. Gerade in Anbetracht dessen erscheint mir Paris als das perfekte Setting.
Der Einstieg und Anfang des Buches verläuft sehr schnell. So wird quasi der Klappentext als Vorgeschichte vorausgesetzt und es beginnt sogleich bei der Suche nach der unsichtbaren Frau. Dadurch ist die Handlung natürlich auch sehr schnelllebig und interessant.
Zwischendrin hat es sich dann leider ein wenig gezogen und die Wendung war meiner Meinung auch etwas vorhersehbar, das Ende dafür aber sehr schön und vor allem sehr realistisch.

Charaktere
Die Charaktere waren mir leider beim Lesen sehr fern. Ich hatte kein richtiges Bild vor Augen und man hat sie auch nicht wirklich kennengelernt, aber ich glaube, das war vom Autoren so gewollt. Es ging schließlich um den kleinsten Kuss der Welt und um die Poetik.

Schreibstil & Gestaltung
Das Buch ist wirklich sehr interessant geschrieben und wie ich oben schon erwähnt habe auch sehr verrückt. Aber gerade diese Verrücktheit macht es zu etwas ganz besonderem und die Umschreibungen für einfach alles haben mir unglaublich gut gefallen.
Dieses Buch ist allerdings nicht nur wundervoll geschrieben, sondern auch einzigartig gestaltet. Nicht nur das Cover macht eindeutig was her, sondern auch die Innenseiten, und auch die Länge der Kapitel fand ich sehr angenehm.




Der kleinste Kuss der Welt ist eindeutig mal etwas anderes und überzeugt mit dem ungewöhnlichen, aber zauberhaften Schreibstil. Es ist eine schöne kurze Geschichte, die man gut mal zwischendurch lesen kann und die einen auf jeden Fall verzaubern wird.




Rezensionen anderer Blogger

misshappyreading (5/5) | Tasmetu (5/5) | Lielan reads (5/5)



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