Rezension | Witch Hunter von Virginia Boecker

15. Februar 2016 | |
dtv | Originaltitel: The Witch Hunter | Reihe: Witch Hunter (Band 1)
400 Seiten | Gebundene Ausgabe | 17,95€

Inhalt
Elizabeth gilt als beste Hexenjägerin des Landes. Umso erschreckender ist es, dass sie mit verbotenen Hexenkräutern erwischt wird. Obwohl sie sie nur nutzt, um nicht vom König schwanger zu werden, der sie ungefragt als Geliebte auserwählt hat, wird sie der Hexerei schuldig gesprochen und in den Kerker geworfen, um auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden.
Anders als erhofft wird sie nicht von ihrem besten Freund Caleb - ebenfalls Hexenjäger - sondern von dem meist gesuchten Hexer des Landes befreit. Er wurde verflucht und braucht Elizabeths Hilfe, um den Gegenstand zu finden, der den Fluch brechen kann.
Dabei kommt sie bei einigen Hexen unter, die nicht sehr erfreut wären, wenn sie wüssten, dass Elizabeth eine Hexenjägerin ist.


Zu erst einmal muss gesagt werden, dass ich mir von diesem Buch viel erhofft habe. Klappentext und die Inhaltsbeschreibung auf der Verlagsseite empfand ich als sehr ansprechend und meine Neugier war definitiv geweckt. Ich konnte es kaum abwarten, endlich mit dem Buch anzufangen und habe mir eine düstere Lektüre mit verbotener Magie und ein wenig prickelnder Romantik erhofft. Bekommen habe ich das leider nicht.

Handlung & Umsetzung
Der Einstieg ist noch gut gelungen. Man hat einen Einblick in die Handlung und die Charaktere bekommen. Alles wirkte noch gut und das Leben der Protagonistin schien so zu laufen, wie sie es sich wünscht.
Als dann der große Konflikt auftaucht, ändert sich das aber sehr schnell. Denn er wird durch die Problematik hervorgerufen, dass der König Elizabeth als heimliche Geliebte ausgewählt hat, was zuvor in keinster Weise angedeutet wurde. Und auch als der Leser es enthüllt, erfährt er bis auf Scham keine Gefühle der Protagonistin. Es wirkt fast so, als wäre es ihr egal. Im späteren Verlauf bekommt der Leser dann noch ein paar Mal ihre Scham zu spüren, weil sich Elizabeth in einen der Hexer verguckt und es ihr sehr unangenehm ist, dass er davon weiß. Gleichzeitig wirkt sie auch unbeholfen und ist ganz aufgeregt, wenn sie nur nebeneinander sitzen, obwohl sie mit dem König natürlich schon viel weiter gegangen ist, als nur Händchen zu halten.

Dann gab es einige Dinge, die mich weitaus mehr gestört haben. Zum Beispiel der Zufall, dass Mutter und Schwester des Hexers, in den sich Elizabeth verliebt, von Hexenjägern gefangen genommen und verbrannt worden sind. Dieser extra Stein im Weg der Liebe zwischen den beiden durfte nicht fehlen!
Und natürlich führte auch kein Weg an einer Romanze zwischen Nebencharakteren vorbei, deren Geflirte mich beim Lesen schon genervt hat. Es wirkte einfach platt, uninteressant und regelrecht peinlich.
Und an dieser Stelle darf natürlich eine kleine, unnötige Eifersuchtsszene nicht fehlen, die mich so genervt hat, dass ich das Buch erst einmal weglegen musste. Für sehr viel jüngere Leser bietet das vielleicht Unterhaltungswert, aber in meinem Fall war es einfach das falsche.
Und dann kommen wir endlich zu der Liebesgeschichte der Protagonistin und ihrem Hexer. Romanzen in Büchern sind mir ja immer besonders wichtig und können mich nur sehr selten zufrieden stellen. Leider hat es auch diesmal nicht geklappt. Die Liebesgeschichte in Witch Hunter entwickelt sich so tröpfelnd und gleichzeitig so rasant, dass sie mich nicht richtig packen konnte. Daher war dieser eine romantische Moment, auf den es ankommt, leider auch eher nicht so toll.

Das Finale war dafür grandios und der Kampf wirklich gut beschrieben! Da mich das Buch schon vorher nicht so recht begeistern konnte, hat das Finale bei mir nicht die volle Wirkung entfalten können, aber es hat mir trotzdem gefallen. Es war dramatisch, rasant, unglaublich!

Charaktere
Elizabeth erschien mir anfangs als richtig coole Hexenjägerin. Ein Mädchen, dass ihren Job erledigt und ihr Leben meistert. Ihre übertrieben toughe Art ging mir dann allerdings doch auf die Nerven. Die Gedanken, wen sie wie umbringen könnte, die immer wieder auftauchen, passen einfach nicht zum Rest ihrer Persönlichkeit und wirken daher eher fehl am Platz.
Nicholas ist ein ansprechender Charakter, den man wohl auch als eine Art liebevollen Großvater ansehen könnte. Er schenkt den Menschen Vertrauen, obwohl er weiß, wie schlecht es um ihn steht.
Caleb, Elizabeths bester Freund, hat mich schon zu Beginn zwiegespalten. Ich fand ihn nett, aber irgendetwas hat mich auch an ihm gestört. Ich habe vermutet, dass er viel mehr an dem Komplott gegen Elizabeth mitgewirkt hat, als es tatsächlich der Fall war. Vielleicht hat das meine Meinung über ihn anfangs etwas gedämpft.

Schreibstil & Gestaltung
Der Schreibstil ist sehr auf Jugendbuch gemacht, was an sich nicht schlimm ist, weil es immerhin ein Jugendbuch ist, mir aber einfach nicht ganz zugesagt hat. Da habe ich in diesem Genre einfach schon besseres gelesen.
Neben den in Handlung & Umsetzung für mich unlogischen Szenen gab es auch schreibtechnisch ein paar Ungereimtheiten. So halte ich es für abwegig, dass sich zwei Hexenjäger kurz vor einem Kampf noch seelenruhig darüber unterhalten, was denn da gerade passiert, als würden sie Kinden beim Spielen zusehen.
Abgesehen davon wirkten die Dialoge oft etwas gestellt. Mir ist es schwer gefallen, mich da hineinzufinden.
Was man der Autorin zugute führen muss, ist, dass schon zu Beginn Spannung aufkommt. Man möchte unbedingt wissen, was mit Elizabeth passiert. Diese Spannung hält auch an, bis zu dem Punkt, ab dem die Handlung ein wenig offensichtlich wird.


Es ist mir wirklich schwer gefallen, dieses Buch zu bewerten, weil ich die Idee toll finde und auch die Aufmachung des Buches ist gelungen. Dennoch bot das Buch nicht viel neues, selbst die Wendungen kamen mir vor, als hätte die Autorin einen Schreibratgeber aufgeschlagen, der ihr die "richtigen" Plotschritte vorschreibt.
Nun, da ich die Kritikpunkte noch einmal Revue passieren ließ, wird klar, dass Witch Hunter einfach nicht das Leserlebnis war, das ich mir erhofft hatte. Daher ist meine Bewertung die






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Kommentare:

  1. Hey =)

    Ach schade, dass dich das Buch nicht begeistern konnte! Aber Geschmack ist ja zum Glück verschieden ;) Mir hatte das Buch nämlich sehr gut gefallen, auch wenn einem, wie du auch
    sagst manches durchaus bekannt vorkommt, ich fand es toll =)
    Ich mochte Elisabeth sehr und einfach generell die Story <3

    viele liebe Grüße, Mikki

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    1. Hallöchen,
      die Story an sich fand ich auch gut, aber sie war für mich leider einfach nicht perfekt umgesetzt.
      Ich glaube, dass auch viel die hohen Erwartungen Schuld daran sind.

      Liebste Grüße ♥

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  2. hey,
    die erste Rezi, die mal nicht schwer begeistert war. Trotzdem sehr nachvollziehbar :)
    Ich persönlich mochte das Buch, allerdings gab es auch so ein paar Stellen, die mir nicht so gut gefallen haben. Der Schreibstil war wohl mein großer Kritikpunk, nicht nur, dass er wie du sagst, gestellt klingt, ich fand ihn einfach für ein Buch im Mittelalter zu modern und nicht auhtentisch genug.
    Und die Liebesgeschichte ist schon ein bisschen schema F, aber die konnte mich trotzdem überzeugen^^
    Welche Eifersuchtsszene meinst du denn, die dich so aufgeregt hat? Also zwischen welchen Charakteren?

    Liebe Grüße
    Lena

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    1. Hallöchen,
      das hat mich ehrlich gesagt auch etwas gewundert, andererseits war es bei gehypten Büchern leider schon oft so.
      Stimmt, das mit der nicht angemessenen Sprache für das Mittelalter dachte ich mir auch mal zwischendurch. Natürlich kann man es in diesem Fall nicht genau richtig machen, weil dann keiner mehr den Text verstehen würde, aber der Schreibstil war teilweise schon sehr modern.
      Mit der Eifersuchtsszene meinte ich die beim Fest mit Chime. Die fand ich einfach so 0815 und gleichzeitig so übertrieben. Hat mir gar nicht gefallen :/

      Liebste Grüße ♥

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  3. Hey!

    Die Geschichte hört sich echt gut an. Schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat. Ich finde das Cover aber richtig, richtig schön!

    Liebste Grüße! ♥
    Tulip

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    1. Hallöchen,
      so geht es mir auch :( Die Geschichte klang total vielversprechend. Gerade deshalb ist es umso trauriger, dass sie mich enttäuscht hat.
      Das Cover ist aber wirklich schön geworden :)

      Liebste Grüße ♥

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