Rezension | Wir waren hier von Nana Rademacher

30. Mai 2016 | |
Ravensburger | Gebundene Ausgabe
352 Seiten | 14,99€

Klappentext
Berlin im Jahr 2039: Die Stadt liegt in Trümmern, das öffentliche Leben ist längst zusammengebrochen. Für die überlebenden Menschen geht es um die nackte Existenz. Wie den Horror des Alltags, den Kampf gegen Hunger und Kälte überstehen? Mittendrin die 15-jährige Anna, die ihren Weg sucht und für das Leben und die Liebe kämpft – und für eine Welt, in der trotz allem eine Zukunft für sie möglich ist.


Normalerweise mag ich Bücher, die ihm deutschsprachigen Raum spielen nicht so gern. Ich weiß nicht genau, woran es liegt - vielleicht daran, dass ich in Bücher der Realität entfliehen will und der deutschsprachige Raum für mich zu viel Realität wiederspiegelt.
Bei Wir waren hier hat es mich aber nicht wirklich gestört, weil das Buch in einer zukünftigen Nachkriegszeit spielt und der Schauplatz Berlin daher nicht mehr wirklich Berlin dargestellt hat.

Anfangs fand ich das Buch sehr spannend, was auch an der ungewöhnlichen Schreibweise lag. Denn die Handlung bestand zunächst aus Blogbeiträgen, die die Protagonistin verfasst hat. Sie hat ihren Blog im Netz versteckt, damit die Web-Polizei ihn nicht so leicht finden kann und schreibt sozusagen ein Online-Tagebuch. Sie geht gar nicht davon aus, dass irgendjemand noch dazu fähig ist, ihre Beiträge zu lesen, bis Ben plötzlich anfängt, sie zu kommentieren.

Sein Erscheinen bringt die Handlung dann erst so richtig in Schwung und ab diesem Zeitpunkt ist das Buch auch wieder wie ein normaler Roman aus der Ich-Perspektive geschrieben. Anna, die Protagonistin, verliert ihre beiden Eltern an den Hunger. Ben kann sie vor diesem Schicksal bewahren und bringt sie zu seinen "Leuten".

Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Handlung mehrere Wendungen, mit denen man nicht unbedingt rechnet. Auch der Spannungsgrad ist sehr sprunghaft, weshalb sich das Buch teilweise leider etwas gezogen hat. Anna muss mehrere Entscheidungen treffen - unter anderem, wie sehr sie anderen Leuten vertrauen kann.

Anna wirkt anfangs noch wie ein naives Mädchen, das sagt, dass es ihr gut geht, ihre Familie genug Essen hat, obwohl die Militärregierung alles steuert. Es wirkt, als würde sie sich selbst alles schön reden. Während ihrem Überlebenskampf im Verlauf der Handlung merkt man, dass sie durchaus eine starke Persönlichkeit sein kann, die sich durchsetzt und alles für ihre Ziele bzw. die Menschen, die ihr am Herzen liegen, tut. Später erscheint sie dann aber wieder als naives Mädchen, das alles glaubt, was man ihm sagt und viel zu schnell verzeiht.


Obwohl ich anfangs so begeistert von Wir waren hier war und gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören wollte, konnte mich das Buch letztendlich nicht so begeistern wie gehofft. Die Spannung war wechselhaft, die Nebencharaktere zwar durchaus stimmig, die Protagonistin aber nicht immer ganz nachvollziehbar und das Ende etwas salopp. Dennoch bietet dieses Jugendbuch eine tolle Unterhaltung.





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Kommentare:

  1. Hey Kate!
    Das kenne ich ganz gut - deutscher Raum ist mir auch oft viel zu nah und deswegen sträube ich mich immer etwas dagegen.
    Ansonsten klingt das Buch doch relativ spannend. Das Cover mag ich irgendwie. Ich selbst würde aber noch warten, da ich eher ein Freund des Taschenbuches bin.

    Ich wünsche dir einen fantastischen Tag!
    Liebe Grüße
    Nika

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    1. Hallöchen,
      ich bin ehrlich gesagt ziemlich erleichtert, dass es nicht nur mir so geht. Hatte schon Angst, dass nur ich da so einen Spinner hab :D
      Das Cover finde ich auch ganz toll! Mir gefallen die Farben so gut :)

      Liebste Grüße ♥

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